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Monte Pasubio
die "Strada delle Galerie" -- durch 52 Tunnels in die
Vergangenheit...
Die atemberaubende Wildheit der
letzten Dolomitenausläufer
und die schreckliche Geschichte machen diese Bergtour zu einem
außergewöhnlichen Erlebnis.
In den italienischen Südalpen,
zwischen Bozen (Bolzano) und der herrlichen Stadt Verona mit
ihrer einmaligen Oper, erheben sich aus den Weinbergen und
Obstplantagen der Baldo-Kamm mit seinem relativ leicht
erreichbaren Gipfel - der Monte Baldo (2216m). Die einzigartige
Flora, die großartige Aussicht auf die entfernten Gletscher des
Adamello, die Gruppo di Brenta, die letzten Südausläufer der
Dolomiten um das Bergmassiv des Pasubio (2235m), die Adria mit
der Lagunenstadt Venedig und natürlich den Lago di Garda
(Gardasee) machen diese Region zu einem beliebten Tourenziel.
Wer sich für Outdoorsport, Geschichte, Botanik oder Geologie
interessiert und die italienische Küche liebt, wird begeistert
sein.
Am 1. August 1914 melden die deutschen Zeitungen in
Extraausgaben die Kriegserklärung des Kaiserreiches an Russland
und die Mobilmachung für den Feldzug gegen Frankreich. Damit
wurde für die Welt ein schreckliches Kapitel der
Kriegsgeschichte aufgeschlagen.
Der Erste Weltkrieg begann am 4. August 1914 mit dem Einmarsch
deutscher Truppen in das neutrale Belgien.
23. Mai 1915 – Kriegseintritt Italiens. Unerfahrene und schlecht
ausgebildete italienische Divisionen treten an einer 350 km
langen Front südlich des Alpenhauptkamms gegen zunächst rein
österreichische Truppen an. Sehr rasch wird deutlich, dass ein
Krieg im Hochgebirge nicht ohne spezielle Kenntnisse und
Techniken zu führen ist. Es schlägt die Stunde der Alpinisten
auf beiden Seiten.
Kriegswinter 1915, Dolomitenfront. Österreichische Kaiserjäger
und italienische Alpini liegen sich gegenüber. Beide Seiten
beginnen damit, Gänge in den Fels zu treiben und tief unterhalb
der gegnerischen Stellungen gewaltige Sprengladungen zu
platzieren, um den Feind mitsamt der Bergkuppe in die Luft zu
jagen: Das Wort „Himmelfahrtskommandos“ soll damals entstanden
sein, am Monte Pasubio, an der Marmolata oder am Ortler, an der
Front im Fels in den Hochgebirgsschlachten des Ersten
Weltkrieges.
Die Schlacht auf den Platten des Monte Pasubio.
Dritter Kriegswinter. Österreicher und Italiener rüsten zur
Schlacht am Monte Pasubio. Der Monte Pasubio besitzt zwei
plateauartige Gipfel, auf dem Einen hielten die österreichischen
Kaiserjäger, auf dem Anderen die Alpini ihre Stellungen ohne
nennenswerte Geländegewinne. Am „Berg der zehntausend Toten“
graben sich die Österreicher unter die „italienische Platte“ und
bringen am 13. März 1918 fast 55 000 Kilogramm Dynamit unter dem
feindlichen Pasubiokopf zur Explosion. Doch selbst die großen
Zerstörungen konnten dem Kampf in den Bergen keine entscheidende
Wendung bringen. Erst nach dem Waffenstillstand im November 1918
wurde der Pasubio von den Kaiserjägern geräumt und damit
kampflos den Italienern überlassen.
Fast ein ganzes Jahrhundert ist vergangen seitdem sich die
Kampflinien des "Grande Guerra" - des 1. Weltkrieges - in
brutalen Stellungskriegen regelrecht in die Berge zwischen dem
Etschtal und dem Tagliamento eingegraben haben. Mehr als 13.000
Gefallene waren in diesem Frontabschnitt zu beklagen. Ganz in
der Nähe des Monte Summano findet man am Monte Pasubio noch ganz
besonders beeindruckende Reste der damaligen Materialschlacht.
Der Berg ist ausgehöhlt wie Schweizer Käse und ein Tunnelsystem
mit mehreren Dutzenden von korkenzieherartig gewundenen Gängen
schraubt sich von unten nach oben durch den Fels des Berges. Das
Bergmassiv des Pasubio wird von Pfaden und Wegen zerschnitten,
die bis 1917 von den Alpini vor allem zur Versorgung der dort
stationierten Truppen angelegt wurden.
Monte Pasubio (2235m)
die "Strada delle Galerie" -- durch 52 Tunnels in die
Vergangenheit...
Die atemberaubende Wildheit der letzten Dolomitenausläufer und
die schreckliche Geschichte machen diese Bergtour zu einem
außergewöhnlichen Erlebnis.
Es ist einer der beeindruckenden Wege in den Alpen. Geprägt
durch Wegtrassen, die in senkrechte, tief abfallende Felswände
gesprengt wurden, sowie unzählige, enge und abenteuerliche
Tunnel.
Entstanden ist er 1916 durch die Italiener, weil die Kaiserjäger
ihren Versorgungsweg auf den Pasubio unter ständigen
Artilleriebeschuss genommen hatten und somit ein Alternativweg
gebaut werden musste. So entstand er, an der dem feindlichen
Feuer abgewandten Südseite des Monte Forni Alti.
Die 52 Tunnel der "Strada delle Galerie" addieren sich zur einer
Länge von 6555m Länge und einem Höhenunterschied von 800m, was
für die damalige Zeit, vor allem in Anbetracht der Umstände,
eine meisterhafte Leistung darstellt. Längster Tunnel ist Nummer
19 mit einer Länge von 320m.
Höhepunkt der Strecke ist aber Tunnel Nummer 20, wo der Weg von
einer thronenden Felsnadel verschluckt wird und weit und breit
kein Weg mehr zu sehen ist. Des Rätsels Lösung gibt es erst im
Inneren des Tunnels, der Weg führt spiralförmig in die Tiefe des
Felsens und wird erst nach mehreren Etagen wieder an das
Tageslicht entlassen. Gerade in der Sommerhitze bieten die
Tunnel eine willkommene Abkühlung.
Die "Strada della Gallerie" beginnt am Passo Xomo an der "Bocchetta
di Campiglia" auf dem Schotterparkplatz und endet an der "Porte
del Pasubio", wo auch das "Refugio Generale Achille Papa"
(1928m) zu finden ist, direkt unterhalb des Pasubio bei den
ehemaligen Italienischen Stellungen. Das Refugio** (Berghütte)
hat seinen Namen des damaligen Pasubio-Generals zu verdanken.
Hier bietet sich die Gelegenheit, erst einmal zu verschnaufen,
sich Essen und Getränken zustärken und das soeben erlebte Revue
passieren zu lassen, ehe man sich wieder auf den Rückweg machen
muss. |



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Hinweis
Ein großer Teil des Wegs ist recht ausgesetzt. Einige der
Tunnels sind sehr niedrig und man läuft ständig Gefahr, mit dem
Kopf an der Decke anzustoßen - hier ist also Vorsicht geboten.
Ein unverzichtbares Utensil ist die Stirnlampe, da einige
Tunnels so lang sind, dass deren Beginn und Ende außer Sicht
sind. Sie schrauben sich wie ein Gewinde durch das Felsmassiv.
In den stockfinsteren Tunneln, mit den groben Geröllböden und
dem steten Tropfen des Wassers von der Felsdecke fühlt man sich
in eine frühere Zeit versetzt.
Obwohl seit 1994 die „Strada delle Gallerie“ für Mountainbikes
gesperrt ist (es drohen bei Befahrung Strafen um die € 250), ist
es ein ausgezeichnetes Bikerevier. Deshalb ist auf den Wegen und
Tunneln immer mit eiligen Mountainbiker zu rechnen.
- Tagestour (ca. 1h Fahrzeit vom Gardasee)
- Gute Kondition und Trittsicherheit erforderlich
- Keine alpine Erfahrung notwendig
- Stirnlampe und Getränke
Pasubio. Berg des Kampfes - Berg des Friedens.
Erlebnisbericht von Robert Skorpil (ISBN: 3702214925) :
"Wie viel Wasser braucht doch ein Gärtner, um auch nur ein
kleines Stück Erde richtig zu durchfeuchten, und wie wenig vom
kostbarsten Saft, vom Blut verströmt so ein armer, zu Tode
verwundeter Menschenkörper. Könnten wir jedoch die
Schlachtfelder des ersten Weltkrieges überfliegen, um einige
Quadratmeter zu entdecken, die wirklich mit Blut getränkt, die
wahrhaftig mit Gefallenen mehrfach überdeckt gewesen waren, wir
würden diese Stelle... auf dem Pasubio finden... eine
Menschenmühle war das, in der eine Kompanie nach der anderen
zermalmt und zerfetzt wurde, als es galt die "Platte" zu
erobern, als es galt die "Platte" zu halten... Pasubio, der Berg
der zehntausend Toten, die Stelle der gewaltigsten Sprengungen
des Ersten Weltkriegs... der Pasubio ist ein Ort der Läuterung.
Er schenkt den Blick ins Grenzenlose, in den Abgrund des Todes,
ins Geheimnis des Himmels, in die Macht und Ohnmacht des
Menschen. Seltsam: Dieser Berg war nie ein Berg des Hasses, war
nie ein Berg der Rache."
**"Refugio Generale Achille Papa" (1928m)
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